Kanzlei Peetz - unser Weg von der Rechtsanwaltskanzlei zum internationalen Friedenshaus 

Wir kommen...aus einem ausgefüllten Berufsleben als Naturwissenschafts- und Sportlehrerin zunächst an einer integrierten und später an einer kooperativen Gesamtschule (Christine) und als Rechtsanwalt, Fachanwalt für Familienrecht, Mediator, Vorsitzender einer Gütestelle und Notar (Jürgen) in eigener Kanzlei seit 1986.

Wie und warum Jürgen Familienanwalt geworden bin.

Geboren bin ich im Jahre 1955 in Hildesheim und mit zwei Geschwistern aufgewachsen. Unsere Eltern hatten als Folge des Weltkrieges ihre Heimat und Hab und Gut verloren und bemühten sich, uns Kindern eingebettet in christliche Grundwerte alles zu geben, was sie konnten, insbesondere Geborgenheit und Wärme in der Familie und den Anschub für qualifizierte Berufsausbildungen. Dieses Vorbild meiner Eltern hat mich geprägt. Als Leichtathlet lernte ich meine Jugendliebe Christine kennen, die mit mir nicht nur durch „Dick und Dünn“ gegangen ist, sondern mir auch frühzeitig das Gedankengut der Frauenemanzipation nahe gebracht hat. Nach dem Abitur jobbten wir, um dann mit Zelt und Rucksack durch einen Teil Westeuropas zu ziehen. Das schweißte uns fest zusammen und überstand auch die Trennung während meiner Wehrdienstzeit.

 

 Wir gingen gemeinsam in das eingeschlossene West-Berlin und heirateten. Ich studierte Jura, versorgte unseren kleinen Haushalt und versuchte, Christine, meiner Frau, ein wenig in ihrer ersten Lehrerstelle in Berlin-Neukölln behilflich zu sein, nahm an Schulveranstaltungen und Klassenfahrten teil. In den Schul- und Semesterferien waren wir im Sommer mit Zelt und im Winter mit Schi in Europa unterwegs. Im fortgeschrittenen Studium betreute ich für einige Zeit das neugeborene Mädchen einer gemeinsamen Freundin, die sich beruflich keine Auszeit dafür nehmen konnte. Meine Frau und ich wünschten uns auch Kinder.   In der Endphase meines Studiums wurde unsere Tochter Friederike geboren und ich ging als Vater in die Prüfungen zum 1. Staatsexamen. Während der Referendarzeit wurde unser Sohn Alexander geboren. Beiden Kinder widmeten wir so viel Zeit wie möglich. Als ich nach dem Assessorexamen in einer renommierten Rechtsanwalts- und Notarkanzlei eine Anstellung fand, hat mir der täglich enge Kontakt zu meinen Kindern sehr gefehlt, so dass ich mich entschloss, die gute berufliche Ausgangsposition zu Gunsten der engen Beziehung zu meinen Kindern aufzugeben, und lies mich als Rechtsanwalt in eigener Kanzlei selbständig nieder und richtete darin ein Kinderzimmer ein.

 

Diese Entscheidung brachte mir den Mandantenzulauf im Familienrecht, weil sich herumsprach, dass ich auch tatsächlich von Familie etwas verstand. Meine Kinder nahm ich in den ersten Jahren notgedrungen zu zahlreichen auswärtigen beruflichen Terminen mit, was die Ergebnisse meiner beruflichen Arbeit nicht verschlechterte aber den Kindern Einblick in mein berufliches Wirken gab. Wir trainierten gemeinsam Wettkampf-Leichtathletik und spornten uns gegenseitig an. Als Leichtathletikfamilie sind wir bekannt geworden. Meiner Familie habe ich es zu verdanken, dass ich noch im Seniorenalter Medaillen bei Deutschen Meisterschaften gewinnen und einmal im Nationaltrikot bei Europameisterschaften starten durfte. Aus den Erfahrungen meiner Kinder heraus stellte sich meine Kanzlei als Anlaufstelle für jugendliche Opfer von Gewalttaten zur Verfügung und als Vorsitzender des Schulelternrates initiierte ich gemeinsam mit anderen Eltern und interessierten Einrichtungen das Schulprojekt „gewaltlos der Gewalt zu Leibe rücken“. Meine Kinder motivierten mich, eine Periode (fünf Jahre) in einigen wichtigen Entscheidungsgremien der evangelisch-lutherischen Kirche meines Kirchenkreises mitzuarbeiten. Parallel dazu begann ich im Rahmen meines beruflichen Wirkens zunehmend außergerichtliche Wege zu gehen und belegte einen der ersten von der Deutschen AnwaltAkademie angebotenen Mediationslehrgänge. Das Spektrum des Familienrechts habe ich weiter ausgeschöpft und Menschen nicht nur in Ehe- und Familienkrisen beigestanden, sondern mich auch frühzeitig mit der Lebensphase befasst, in der wir auf den Beistand anderer angewiesen sind. Seit 1995 habe ich betreuungsvermeidende Vorsorgeverfügungen entwickelt und erprobt und auch gemeinsam mit Angehörigen anderer Berufsgruppen zahlreiche Vorträge und Informationsveranstaltungen zu diesem Themenbereich abgehalten. Damit einher ist die Planung und Gestaltung der Nachfolge nach unserem Ableben gegangen. Neue Ideen hat mir dazu das Ergänzungsstudium Estate Planing an der European Business School gebracht. Im dritten Jahrzehnt meiner anwaltlichen Selbständigkeit habe ich für eine Wahlperiode den Vorsitz des Berufsverbandes der Haushaltführenden übernommen, um den Verband vor der Auflösung zu bewahren, und in diesem Rahmen habe ich zahlreiche Veranstaltungen zu Familienthemen organsiert und Kontakte zu Menschen geknüpft, die im familienpolitischen Bereich Verantwortung getragen haben. Zeitgleich habe ich das Unternehmernetzwerk Familie und Wirtschaft für den Landkreis Hildesheim mit gegründet, um familienfreundliche Arbeitsbedingungen in Betrieben zu fördern und familienfreundliche Betriebsgründungen anzuschieben.  Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Krisen und Konflikte auf unserem Planeten habe ich mir vorgenommen, die Kompetenzen, die ich hier vor Ort bei der Lösung von Konflikten durch Kooperation anstatt Konfrontation erworben habe, auch außerhalb Deutschlands im Rahmen internationaler Friedens- und Entwicklungsarbeit einzubringen. Die Motivation kam wiederum aus meiner Familie von meinen inzwischen längst erwachsenen Kindern, die in unterschiedlichen Bereichen für einige Zeit Verantwortung auch außerhalb unserer nationalen Grenzen übernommen und mir dazu zahlreiche Einblicke gegeben haben.

Zeitgenössische Mediation – Jürgens Weg vom Krieg zum Frieden oder

 -Kooperation statt Konfrontation oder
 - Vergiften ist unpassend – besser ist kreatives Verhandeln, denn für jeden Standpunkt gibt es plausible Argumente.  

 

Als ich im Jahre 1985 als frischgebackener Rechtsanwalt in meinen Beruf gestartet bin, habe ich mich bemüht, das zuvor in langen Studien- und Referendarjahren mühevoll erlernte juristische Handwerkszeug zur Durchsetzung der vermeintlichen Interessen meiner Mandantinnen und Mandanten insbesondere in gerichtlichen Verfahren als Prozessanwalt einzusetzen. Ich war stolz darauf, wenn der Aushang an der Tafel vor dem Sitzungssaal meines Amtsgerichts an den Sitzungstagen des Familiengerichts möglichst bis zur Hälfte mit dem Namen meiner Kanzlei gefüllt war. Vergleiche schloss ich nur in wenigen Ausnahmefällen. Ich wollte siegen und das konnte ich nur mit einem Urteil, wie ich dachte. Ich war überzeugt, mit dieser Einstellung den Interessen meiner Mandantinnen und Mandanten am besten zu dienen. 

 

Damals hatte ich noch nichts von Kooperation statt Konfrontation geschweige denn Mediation gehört und kannte u.a. auch nicht das so betitelte Buch von Dr. Reiner PONSCHAB und Adrian SCHWEIZER, beides selbst ehemals leidenschaftliche Prozessanwälte. Im Vorwort zur 2. Aufl. 2010 dieses Buches hat der Jura-Professor Prof. Dr. Fritjof Haft ausgeführt: 

 

„ … Seit Jahrtausenden pflegen die Menschen ihre Konflikte als Nullsummenspiele auszutragen, bei denen auf jeden Gewinner ein Verlierer kommt. Fast ebenso lange unterstützen und verschärfen die Juristen als Richter und Rechtsanwälte diese Vorgehensweise, indem sie von den konfliktbefangenen Menschen die Einnahme von Positionen – von Ansprüchen – und deren Durchsetzung in bestimmt formulierten Aktionen – in Klagen – fordern. Das erstere nährt die Rechtsanwälte, das letztere die Gerichte, und wer diesen Wirtschaftsprozess nicht unterstützt, der bekommt eben kein Urteil und mag sehen, wo er bleibt. Aber oftmals nützt das Urteil wenig und fast immer lässt es die Parteien beschädigt zurück. In seinen Erinnerungen schildert der Schriftsteller Hans Fallada, dass sein Vater, Reichsgerichtsrat in Leipzig, Prozesse als wahre Menschenvernichtungseinrichtungen ansah und versicherte, er werde jedem, der ihn verklage, sei es, mit welcher Forderung auch immer, alles geben, was dieser nur wolle, um ja nicht in einen Prozess verwickelt zu werden. …“

 

In einer besonders dramatischen Ehe- und Familienkonfliktangelegenheit, in der ich die Ehefrau anwaltlich vertreten habe, schafften es die beteiligten Rechtsanwälte – ich eingeschlossen - über zwanzig Akten anzulegen und entsprechend viele gerichtliche Verfahren zu führen. Meine Mandantin erhielt über einen Zeitraum von etwa vier Jahren in den gerichtlichen Entscheidungen überwiegend das, was ich beantragt hatte. Nach Urteilen und Beschlüssen war Sie die Siegerin. Als alle gerichtlichen Verfahren beendet waren, wollte ich mich – nicht ohne Stolz - von meiner Mandantin verabschieden. 

 

Die Mandantin bemerkte indessen:  

 

„ …. Sie haben für mich gekämpft wie ein Löwe, aber wo ist mein Leben geblieben. Die vielen Besprechungen mit Ihnen, die Gerichtstermine und immer wieder meine Aufgabe, aus der Vergangenheit auszugraben und zusammenzutragen, was meinen „Ex“ in eine schlechte Position bringen sollte. Ich fühle mich ausgebrannt und kaputt und habe das Gefühl, wertvolle Jahre meines Lebens verloren zu haben. Ich habe Angst, meinem „Ex“ irgendwo zu begegnen. …“

 

Diese Reaktion hat mich nachdenklich gestimmt und mich dazu bewegt, mein gewohntes anwaltliches Vorgehen nachhaltig zu Überdenken.

 

Ich begann zu begreifen, dass nicht die Konflikte selbst das eigentliche Problem sind, sondern der Umgang mit den Konflikten. Seither habe ich versucht, die mir von meinen Mandantinnen und Mandanten mitgeteilten Probleme nicht mehr nur im Hinblick auf ihre juristische Relevanz zu durchleuchten, sondern von vornherein mein Augenmerk darauf zu richten, das Problemumfeld in einer Gesamtschau zu beachten. Aus der konventionellen Kampfansage an den Gegner ist der Blick auf den Partner geworden. Gefragt wurden meine Kreativität, mein Einfühlungsvermögen in die Situation der beteiligten Menschen und mein Geschick im Umgang mit ihnen. Da ich mit Menschen in den verschiedensten Konfliktsituationen zu tun hatte, also mit den Regeln des menschlichen Zusammenlebens schlechthin, benütze ich zur Mobilität auch gern öffentliche Verkehrsmittel und Fahrrad. Da habe ich immer ein unmittelbares Anschauungstraining, wie Menschen miteinander umgehen.

 

Nicht Dreschflegel und harte Bandagen sind bei mir zum Einsatz gekommen, sondern Charme und Intelligenz, Fantasie und Menschenkenntnis.

Wir entwickeln uns weiter

und widmen uns den praktischen Grundlagen einer natürlichen und nachhaltigen Lebensführung, der Friedens- und Konfliktforschung, ethischen Fragestellungen und der Mediation zwischen den Kulturen. Wir entdecken und lernen für das weite Themenfeld internationaler und interkultureller Begegnungen mit Menschen, die in anderen Ländern dieser Erde geboren sind, im DeutschenAnwaltverein, an der Universität Hildesheim, dem Haus der Religionen in Hannover als Zentrum für interreligiöse und interkulturelle Bildung und auf den Podien und unter den Schirmen verschiedener Bildungseinrichtungen, die allesamt Ideengeber für unser internationales Friedenshaus geworden sind.

Im freiwilligen Ehrenamt haben wir zahlreiche Erfahrungen im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen gesammelt. Dem SES, Senior Experten Service, stehe ich für internationale Einsätze zur Verfügung. In einer Schule in Hameln habe ich nicht deutschsprachige Schülerinnen u.a. bei der Verarbeitung ihrer Fluchtg unterstützt. Im „face to face“ in Hildesheim war ich geflüchteten Frauen beim Erlernen der deutschen Sprache und der kulturellen Neuorientierung behilflich. Für das International Office der Universität Hildesheim begleiten wir internationale Studierende. Mit den Menschen und für die Menschen, die wir im Laufe der Zeit kennenlernen und begleiten durften, haben wir in unserem Friedenshaus Gesprächs und Begegnungsrunden mit internationalen Gästen u.a. aus Syrien, dem Iran, der Türkei, Aserbaidschan, Nordmazedonien, Marokko, Russland, Kasachstan, Estland und Lettland organisiert und durchgeführt und führen auf diese Weise Menschen aus sehr unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Lebensverhältnissen und politischen Anschauungen zusammen. Für mehrere Wochen haben wir bei uns eine Schülerin aus Estland und einen Studierenden aus Marokko zu Gast gehabt. Auf Einladung von Studierenden, die wir betreut haben, habe ich diese in ihren Familien in Lettland und in Nord-Mazedonien besucht. Die Corona-Pandemie hat uns im Frühjahr 2020 veranlasst, diese Aktivitäten vorerst in die Warteposition zu stellen.

 

Kinder jeden Alters entdecken gern unseren Naturerlebnisgarten, der sie in ihren interkulturellen Besonderheiten verbindet und ihnen zeigt, welche spannenden Abläufe die Natur zu bieten hat, wenn man sich ihr sorgsam nähert und widmet. 

 

Wir kooperieren mit dem deutschen Zweig von peace brigades international - e.V. (pbi), sind im Netz des transnationalen Projektes “Learn2Change – Die Welt durch Bildung verändern”, des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. und im Netzwerk für niedersächsische Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte (Migranetz), sympathisieren mit Pulse of Europe, den Students for Future und dem Netzwerk Öko fair & mehr in Hildesheim.

 

Wir möchten am Wandel hin zu einer zukunftsfähigen, enkeltauglichen und global gerechten Gesellschaft mitwirken und uns mit unserem eigenen Projekt und Ideen selbst als Partnerin zur Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten anbieten.

Aus einem Beitrag des Hirnforschers Gerald Hüter in der Beilage Sonntagsthema der Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 30. September 2017 sind unsere  Visionen im Herbst 2017 entstanden. Wir möchten, dass wir uns helfen in unsere eigene Kraft und unsere eigene Gestaltungsfähigkeit zu finden, dass wir uns die Freude am eigenen Entdecken und Lernen nicht durch andere verderben lassen, dass wir begeisterungsfähig bleiben, dass wir uns nicht an dem orientieren, was andere für wichtig halten, dass wir uns nicht davon abbringen lassen, unserem eigenen Leben einen Sinn verleihen zu wollen und ein Leben zu führen, dass dieser Sinngebung entspricht, dass wir unsere Beziehungen zu anderen Menschen würdevoll gestalten und uns mit ihnen gemeinsam auf den Weg machen. So, dass wir gemeinsam über uns hinauswachsen, statt diese anderen Menschen nur zu benutzen, um uns selbst zu stärken.

 

Wir möchten der Leitidee von Learn2Change, dem Global Network of Educational Activists, folgen und durch das gemeinsame Lernen in globaler Partnerschaft  unkonventionelles Wissen und alternative gesellschaftliche Praxis suchen und verbreiten, um unsere Herzen und Gedanken zu entkolonialisieren und uns wieder mit unserem gemeinsamen Planeten Erde zu verbinden.

 

Dafür schaffen wir vielfältige Gelegenheiten in Arbeitstreffen und Workshops. Wenn wir womöglich den einen oder anderen Baustein in einem Weltfriedensgebäude noch mit einsetzen dürfen, freuen wir uns.

 

 

Wir möchten jungen Menschen aus der globalen Welt, insbesondere Schülerinnen und Studierenden Gelegenheiten verschaffen, bei uns im Rahmen von Ferien- oder kürzeren Studienaufenthalten ein Stück Deutschland kennenzulernen.

 

Unser Wandelgarten ist ein natürliches Refugium für zahlreiche Biotope. In unserem Werkhof experimentieren wir mit Möglichkeiten von urban gardening und kreativem Gestalten mit Naturmaterialien. Auf diese Weise lernen insbesondere junge Menschen einen unmittelbaren Zu- und Umgang zur Funktionalität natürlicher Ressourcen.


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