Mediation oder auch Kooperation statt Konfrontation

Als ich im Jahre 1985 als frischgebackener Rechtsanwalt in meinen Beruf gestartet bin, habe ich mich bemüht, das zuvor in langen Studien- und Referendarjahren mühevoll erlernte juristische Handwerkszeug zur Durchsetzung der vermeintlichen Interessen meiner Mandantinnen und Mandanten insbesondere in gerichtlichen Verfahren als Prozessanwalt einzusetzen. Ich war stolz darauf, wenn der Aushang an der Tafel vor dem Sitzungssaal meines Amtsgerichts an den Sitzungstagen des Familiengerichts möglichst bis zur Hälfte mit dem Namen meiner Kanzlei gefüllt war. Vergleiche schloss ich nur in wenigen Ausnahmefällen. Ich wollte siegen und das konnte ich nur mit einem Urteil, wie ich dachte. Ich war überzeugt, mit dieser Einstellung den Interessen meiner Mandantinnen und Mandanten am besten zu dienen.


Damals hatte ich noch nichts von Kooperation statt Konfrontation geschweige denn Mediation gehört und kannte u.a. auch nicht das Buch von Dr. Reiner PONSCHAB und Adrian SCHWEIZER, beides selbst ehemals leidenschaftliche Prozessanwälte. Im Vorwort zur 2. Aufl. 2010 dieses Buches hat der Jura-Professor Prof. Dr. Fritjof Haft ausgeführt:


„ … Seit Jahrtausenden pflegen die Menschen ihre Konflikte als Nullsummenspiele auszutragen, bei denen auf jeden Gewinner ein Verlierer kommt. Fast ebenso lange unterstützen und verschärfen die Juristen als Richter und Rechtsanwälte diese Vorgehensweise, indem sie von den konfliktbefangenen Menschen die Einnahme von Positionen – von Ansprüchen – und deren Durchsetzung in bestimmt formulierten Aktionen – in Klagen – fordern. Das erstere nährt die Rechtsanwälte, das letztere die Gerichte, und wer diesen Wirtschaftsprozess nicht unterstützt, der bekommt eben kein Urteil und mag sehen, wo er bleibt. Aber oftmals nützt das Urteil wenig und fast immer lässt es die Parteien beschädigt zurück. In seinen Erinnerungen schildert Hans Fallada, dass sein Vater, Reichsgerichtsrat in Leipzig, Prozesse als wahre Menschenvernichtungseinrichtungen ansah und versicherte, er werde jedem, der ihn verklage, sei es, mit welcher Forderung auch immer, alles geben, was dieser nur wolle, um ja nicht in einen Prozess verwickelt zu werden. …“


In einer besonders dramatischen Ehe- und Familienkonfliktangelegenheit, in der ich die Ehefrau anwaltlich vertreten habe, schafften es die beteiligten Rechtsanwälte – ich eingeschlossen - über zwanzig Akten anzulegen und entsprechend viele gerichtliche Verfahren zu führen. Meine Mandantin erhielt über einen Zeitraum von etwa vier Jahren in den gerichtlichen Entscheidungen überwiegend das, was ich beantragt hatte. Nach Urteilen und Beschlüssen war sie die Siegerin. Als alle gerichtlichen Verfahren beendet waren, wollte ich mich – nicht ohne Stolz -  von meiner Mandantin verabschieden.

 

Die Mandantin bemerkte indessen:


„ …. Sie haben für mich gekämpft wie ein Löwe, aber wo ist mein Leben geblieben. Die vielen Besprechungen mit Ihnen, die Gerichtstermine und immer wieder meine Aufgabe, aus der Vergangenheit auszugraben und zusammenzutragen, was meinen Ex in eine schlechte Position bringen sollte. Ich fühle mich ausgebrannt und kaputt und habe das Gefühl, wertvolle Jahre meines Lebens verloren zu haben. Ich  habe Angst, meinem Ex irgendwo zu begegnen. …“


Diese Reaktion hat mich nachdenklich gestimmt und mich dazu bewegt, mein gewohntes anwaltliches Vorgehen nachhaltig zu überdenken. 


Ich begann zu begreifen, dass nicht die Konflikte selbst das eigentliche Problem sind, sondern der Umgang mit den Konflikten. Seither versuche ich, die mir von meinen Mandantinnen und Mandanten mitgeteilten Probleme nicht mehr nur im Hinblick auf ihre juristische Relevanz zu durchleuchten, sondern von vornherein mein Augenmerk darauf zu richten, das Problemumfeld in einer Gesamtschau zu beachten. Aus der konventionellen Kampfansage an den Gegner ist der Blick auf den Partner geworden. Gefragt sind meine Kreativität und mein Einfühlungsvermögen in die Situation der beteiligten Menschen und mein Geschick im Umgang mit Ihnen. Da ich mit Menschen in verschiedensten Konfliktsituationen zu tun habe, also mit den Regeln des menschlichen Zusammenlebens schlechthin, benütze ich zur Mobilität außerhalb meiner Kanzlei auch gern öffentliche Verkehrsmittel und Fahrad. Da habe ich immer ein unmittelbares Anschauungstraining, wie Menschen unterschiedllichen Alters und Herkunft miteinander umgehen. 

 

Nicht Dreschflegel und harte Bandagen kommen bei mir zum Einsatz, sondern Charme und Intelligenz, Fantasie und Menschenkenntnis. Überwiegend sitzen wir gemeinsam an einem Tisch und verhandeln gemeinsam die zu regelnden Sachverhalte. Je nach Bedarf beziehen wir so früh wie möglich Ihre Berater anderer Dienstleistungsfelder wie Steuerberater, Finanzdienstleister, u.a. ein, sofern diese dabei mithelfen können, praktikable und zukunftsweisende Gesamtlösungen zu erzielen.


Das bedeutet
• einvernehmliche Konfliktbearbeitung und –bewältigung
• ein strukturiertes Verfahren
• vertraulich
• ergebnisoffen und fair
• aktives Erarbeiten einer Lösung
• schnell und effektiv
• in der Regel der kostengünstigere Weg
• Einigungen über den konkreten Streitstoff hinaus
• Entwicklung stabiler- und Schonung bestehender Beziehungen

 

Warum?
• wenn Sie eine gute und tragfähige Beziehung erarbeiten wollen
• wenn Sie Streit in Verstehen umwandeln wollen
• wenn Sie Ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einbringen wollen
• wenn Sie eine einvernehmliche und dauerhafte Lösung anstreben
• wenn andere nicht für Sie entscheiden sollen
• wenn ein Problem für Sie nicht oder nur schwer lösbar erscheint
• wenn Ihr Konflikt sich in einer Sackgasse befindet

 

Das macht Sinn z.B. ...
• bei Problemen in Familie oder Partnerschaft
• bei Trennung und Scheidung
• bei Erbauseinandersetzungen und Nachfolgeregelungen für Familienbetriebe
• bei Konflikten am Arbeitsplatz
• bei Auseinandersetzungen in Unternehmen oder zwischen Geschäftspartnern
• bei Streitigkeiten im Bauwesen
• bei Konflikten im öffentlichen Bereich
• bei Miet- und Wohnungseigentums- und Nachbar-Streitigkeiten

Vergiften ist unpassend - besser ist kreatives Verhandeln, denn für jeden Standpunkt gibt es plausible Argumente.                  Und wem das alles zu kompliziert ist, der bedenke: ein günstiger Vergleich ist allemal besser als ein verlorener Prozess.

Jürgen Peetz
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Familienrecht

AnwaltMediator (DAA)

Notar (1992 bis 2014)


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